Inneres Kind / Innere – Kind – Arbeit: was heißt das eigentlich?

Hier findest du ein Video zum Thema inneres Kind / Innere – Kind – Arbeit.

 

Vielleicht kennst du das: in manchen Situationen  - die von Außen gar nicht so groß / schlimm / intensiv erscheinen – hast du plötzlich sehr starke (negative) Gefühle in dir oder verhälst dich impulsiv – ganz so, als wärst du plötzlich in ein kindliches Muster gerutscht. In solchen Situationen kommt möglicherweise dein inneres Kind zum Vorschein – aber was heißt das eigentlich genau?

 

In diesem Fall heißt es, dass sich die unerfüllten Bedürfnisse oder unausgelebte Emotionen zu Wort melden – in der Kindheit gab es dafür vielleicht keinen Raum, möglicherweise war es sogar gefährlich. Deshalb wurden sie im Körper gespeichert und drängen immer mal wieder hervor. In den meisten Fällen tendiert mensch dazu, sie wieder zurückzudrängen und darüber hinwegzugehen. Die Krux daran ist, dass sie dann immer stärker gesehen werden wollen. Außerdem werden durch ein Übergehen des kindlichen Anteils gleichzeitig auch positive Emotionen, kindliches Interesse, Freude, Begeisterungsfähigkeit usw. von der eigenen Person abgeschnitten. Es geht ganz schön was verloren. Mit dem inneren Kind wieder Kontakt aufzunehmen lohnt sich also wirklich.

 

Bestenfalls geschieht dies unter psychotherapeutischer oder psychologischer Begleitung. In einem solchen Kontext wird eine gezielte Spaltung des Ichs in den reflektierenden erwachsenen Anteil und den erlebenden Kind Anteil forciert. Der reflektierende erwachsene Anteil übernimmt dabei zunehmend die Verantwortung für den kindlichen Anteil, stillt die Bedürfnisse, lässt den Ausdruck von Emotionen zu und begleitet diese. Der kindliche Anteil, der bisher abgespalten und zurückgedrängt war, kann nun heilen und integriert werden – er muss nicht mehr ständig „hervorplatzen“ und Raum fordern. Außerdem wird durch die Zuwendung zum kindlichen Anteil auch wieder die Freude, Begeisterungsfähigkeit usw. aktiv, wodurch (alte) Ressourcen, Fähigkeiten und Stärken reaktiviert werden oder gar Neue entdeckt werden. Maßgeblich dabei ist, dass der erwachsene Anteil dem kindlichen Ich die Zuwendung, Nähe, Liebe gibt, die in der Kindheit gefehlt haben, aber nötig gewesen wären. Diese Bedürfnisse werden in der Gegenwart durch den erwachsenen Anteil nachgenährt, sodass die Sehnsucht nach und nach kleiner wird.

 

Natürlich könnte mensch auch sagen „Ich stille meine Bedürfnisse in der Partner*innenschaft oder bei Freund*innen, Bekannten, meinen Kindern.“. Das geht aber nur solang gut, wie es nicht mit deren Bedürfnissen kollidiert. Durch diese „Lösungsweise“ begibt mensch sich mit seinen ungestillten Bedürfnissen in eine Abhängigkeit von Anderen – und kann dadurch enttäuscht werden. Bei der inneren – Kind – Arbeit hingegen übernimmt mensch diese Verantwortung selbst und ist unabhängig von Anderen – was sich auch auf die Beziehungsgestaltung auswirkt, denn das kann er*sie nun freier tun.

 

Die innere – Kind – Arbeit ist eine sehr erfolgreiche Therapiemethode und führt langfristig zu einer enormen Steigerung der Selbstberuhigungsfähigkeit. Außerdem hat es positive Auswirkungen auf zwischenmenschliche Beziehungen, da mensch ein besseres Gefühl für seine Bedürfnisse und Grenzen bekommt und dies dem Gegenüber kommunizieren kann – so werden Missverständnisse und Beziehungsschwierigkeiten reduziert. In unterschiedlichen Therapierichtungen gibt es Äquivalente zur inneren – Kind – Arbeit: in der Ego-State-Therapie beispielsweise die innere Bühne, die Schematherapie arbeitet mit Kind- und Erwachsenen-Modi, usw.

 

In den allermeisten Fällen ist die innere – Kind – Arbeit sehr gut geeignet und hilfreich. Da sie ein aufdeckendes Verfahren ist (dh. tiefere Gefühle, Erfahrungen, usw. aufdeckt), ist sie nicht geeignet für instabile Patient*innen, sehr strukturschwache Patient*innen oder Menschen, die eine Tendenz zur Fragmentierung der Persönlichkeit (also deren Persönlichkeit eh schon gespalten ist und wo das Ziel eher eine Zusammenführung und Integration ist) haben.

 

Um das Konzept des inneren Kindes besser kennenzulernen gibt es einiges an Literatur – auch Selbsthilfebücher. Allerdings tendiert der Mensch dazu, schmerzhafte Themen zu vermeiden und zu umgehen, weswegen die innere – Kind – Arbeit in therapeutischer oder psychologischer Begleitung besser wäre und einen größeren Erfolg verspricht.

 

Wenn du dich wiedererkennst, Fragen hast oder dir Unterstützung wünschst, melde dich gerne bei mir. Ich freue mich auf dich.

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