Begriffsabgrenzungen - wer behandelt wen mit welcher Qualifikation?

 Hausärzt*innen

... sind meist der*die erste Ansprechpartner*in bei körperlichen und psychischen Beschwerden. Sie schließen eine körperliche Ursache der Beschwerden aus und überweisen danach idealerweise an eine*n Psychologischen Psychotherapeut*in weiter, der*die dann eine differenzierte Diagnose erstellen kann. Manchmal beginnen die Hausärzt*innen auch schon mit einer medikamentösen Behandlung, um eine schnelle Stabilisierung ihrer Patient*innen zu bewirken. Eine langfristige Änderung von psychischen Belastungen und Erkrankungen ist jedoch nur durch eine Psychotherapie möglich.

 

Psychologische Psychotherapeut*innen

... haben in der Regel ein fünfjähriges Hochschulstudium in Psychologie absolviert und im Anschluss daran eine drei- bis fünfjährige staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung absolviert. Die Ausbildung kann verhaltenstherapeutisch, tiefenpsychologisch, psychoanalytisch und seit Kurzem auch systemisch sein. Nach Abschluss der Ausbildung behandeln die Psychologischen Psychotherapeut*innen meist erwachsene Menschen. Für Kinder und Jugendliche wird nach dem fünfjährigen Hochschulstudium (Psychologie, Pädagogik oder Sozialpädagogik) ebenfalls eine drei- bis fünfjährige staatlich geregelte psychotherapeutische Ausbildung absolviert, allerdings mit Fokus auf die Behandlung von Kindern und Jugendlichen - es findet also eine Spezialisierung statt. Nach Abschluss der Ausbildung darf man sich als Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut*in bezeichnen.

 

Eine Psychotherapie wird dann von der Krankenkasse übernommen, wenn der*die Psychologische Psychotherapeut*in approbiert ist (dh. die Ausbildung bestanden hat), einen Kassensitz hat (dh. offiziell über die Krankenkassen abrechnen kann) und eine Behandlungsindikation vorliegt.

 

Ärztliche Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen

... haben in der Regel ein fünfjähriges Hochschulstudium in Medizin absolviert und im Anschluss eine fünfjährige, berufsbegleitende Fachärzt*innen-Weiterbildung zur Behandlung psychischer und neurologischer Erkrankungen gemacht. Sie dürfen sich danach - je nach Weiterbildung - Fachärzt*in für Psychiatrie und Psychotherapie, Fachärzt*in für Psychiatrie und Neurologie oder Fachärzt*in für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie nennen. Ärztliche Psychotherapeut*innen und Psychiater*innen dürfen im Gegensatz zu Psychologischen Psychotherapeut*innen auch Medikamente verordnen. Bei der Ärzt*innensuche sollte beachtet werden: die Behandlung bei Psychiater*innen ist überwiegend medikamentös und es gibt nur wenige Gesprächsangebote und lange Wartezeiten. Bei Ärztlichen Psychotherapeut*innen liegt der Fokus auf psychotherapeutischen Gesprächen und Medikamente werden nur begleitend eingesetzt.

 

Psychotherapeut*innen in Ausbildung (PiA)

... haben bereits ihr fünfjähriges Hochschulstudium in Psychologie (bzw. Pädagogik oder Sozialpädagogik) abgeschlossen und befinden sich nun in der staatlich geregelten Psychotherapieausbildung (bzw. Kinder- und Jugendlichenpsychotherapieausbildung). In dieser Ausbildung werden mindestens 1800 Stunden Praxisarbeit in Kliniken, mindestens 600 Stunden Theorieunterricht, mindestens 120 Stunden Lehrpsychotherapie (auch Selbsterfahrung genannt), mindestens 150 Stunden Supervision durch erfahrene Kolleg*innen, mindestens 600 Stunden eigenständige Behandlung (unter Supervision) sowie weitere 930 Stunden aus den oben genannten Bereichen abgeleistet. Die Ausbildung umfasst insgesamt 4200 Stunden. Inhalte, Ablauf und Form der Ausbildung sind durch das Psychotherapeutengesetz (PsychThG) geregelt.

 

Psycholog*innen

... haben ein fünfjähriges Hochschulstudium in Psychologie absolviert, aber keine Ausbildung zum*r Psychologischen Psychotherapeut*in begonnen. Sie arbeiten beispielsweise in der Forschung, in der Wirtschaft oder sind im Personalwesen tätig. Auch die Arbeit in (psychologischen) Beratungsstellen ist möglich. Psycholog*innen haben die Möglichkeit eine Heilpraktikererlaubnis für den "kleine*n Heilpraktiker*in" zu erlangen und können in diesem Rahmen therapeutische Gespräche, Beratung oder Coachings anbieten. Die Berufsbezeichnung hierfür ist "Heilpraktiker*in für Psychotherapie".

 

Ambulanzen

... gehören zu psychiatrischen und psychotherapeutischen Versorgung. Sie können direkt aufgesucht bzw. kontaktiert werden. Meist sind Ambulanzen an Universitäten, Kliniken oder Ausbildungsinstituten für Psychotherapeut*innen angegliedert.

 

Krankenhäuser: Psychiatrie, Psychosomatik, Reha-Kliniken

Die Behandlung in einem Krankenhaus sollten Betroffene erwägen, wenn ihre Erkrankung besonders schwerwiegend ist und eine ambulante Therapie nicht ausreicht oder zu keinen Verbesserungen führt. Diese Behandlungsoption sollte zunächst mit dem*r behandelnden Psychotherapeut*in, Fachärzt*in oder Hausärzt*in besprochen werden. Der Vorteil einer stationären Behandlung liegt darin, dass verschiedene Behandlungsmethoden auch kombiniert und intensiver durchgeführt werden können. Psychotherapie wird dort beispielsweise sowohl als Einzel- als auch als Gruppentherapie durchgeführt.

 

Die Behandlung in einem Krankenhaus kann noch einen weiteren Vorteil haben: eine Klinik bietet Abstand zu belastenden Konflikten am Arbeitsplatz oder in der Familie, die eine rein ambulante Behandlung von psychischen Krankheiten erschweren können. Nach einer stationären Behandlung muss der Umgang mit diesen Belastungen gelernt werden, um erreichte Verbesserungen zu vertiefen. Deshalb ist häufig eine ambulante Psychotherapie im Anschluss notwendig.

 

 

 In Deutschland gibt es unterschiedliche Kliniken für psychische Erkrankungen:

 

  • Krankenhäuser für Psychiatrie und Psychotherapie
  • Krankenhäuser für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Allgemeinkrankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen
  • Psychosomatische Rehabilitationskliniken
  • andere Spezialkliniken für bestimmte Problematiken und Erkrankungen (z.B. Sucht).

 

Stationäre Einrichtungen arbeiten in der Regel mit Behandlungskonzepten, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen können, wie zum Beispiel Psychotherapie (einzeln und in der Gruppe), themenspezifische Gesprächsgruppen (z.B. zu Stress oder Depression), Medikamente, Psychoedukation, Ergotherapie, kreative Therapiemethoden (zum Beispiel Kunst- oder Musiktherapie), Physiotherapie und Sport-/Bewegungstherapie.

 

In einem Krankenhaus arbeiten verschiedene Berufsgruppen eng in einem Team zusammen, unter anderem Ärzt*innen, Psychotherapeut*innen, Spezialtherapeut*innen (zum Beispiel Ergotherapeut*innen) und das Pflegepersonal. Während in der Psychiatrie in der Regel eine Kombinationsbehandlung aus Medikamenten und psychotherapeutischen Interventionen erfolgt, die unterschiedlich stark gewichtet sein können, bietet die Psychosomatik im Schwerpunkt psychotherapeutische Behandlungskonzepte an.

 

Psychosoziale Beratungsstellen

... bieten erste Hilfe in akuten Belastungssituationen an. Bekannte Beratungsstellen sind beispielsweise über das Diakonische Werk, bzw. die Caritas zu finden. Der Sozialpsychiatrische Dienst (SPDi) bietet hilfreiche Gespräche zur unmittelbaren Stabilisierung und weiterführende Schritte und Unterstützung in Richtung Psychotherapie an.

 

Innerhalb der Beratungsstellen gibt es Spezialisierungen auf unterschiedliche Schwerpunkte:

  • Kinder, Jugendliche und Eltern
  • Paare und Familien
  • chronisch kranke Menschen
  • Frauen
  • spezielle Schwerpunkte wie: Schwangerschaft, Sexualität oder Sucht

In psychosozialen Beratungsstellen arbeitet Fachpersonal aus unterschiedlichen Bereichen zusammen. Das Beratungsangebot ist meist kostenlos und Kontakt kann leicht hergestellt werden.

 

Heilpraktiker*innen für Psychotherapie

 

... erhalten ihre Behandlungserlaubnis über das Heilpraktikergesetz. Es gibt hier zwei Arten von Heilpraktiker*innen: solche mit einer umfassenden Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde sowie Heilpraktiker*innen für Psychotherapie. Heilpraktiker*innen mit der umfassenden Erlaubnis ("große*r Heilpraktiker*in") dürfen körperliche und seelische Leiden feststellen und eine eigene Therapie, auch mit körperlichen Behandlungen, durchführen. Sie nutzen für Diagnose und Therapie meist naturheilkundliche Methoden oder Alternativmedizin. Daneben verfügen manche Heilpraktiker*innen auch über eine eingeschränkte Heilkundeerlaubnis auf dem Gebiet der Psychotherapie ("kleine*r Heilpraktiker*in"). Manche Berufsgruppen (z.B. Psycholog*innen) können auch nur eine Behandlungserlaubnis als Heilpraktiker*in für Psychotherapie erlangen. Die Ausbildung und Berufserfahrung für "Heilpraktiker*in für Psychotherapie" kann deutlich variieren.

Wie finde ich eine*n Psychotherapeut*in?

Es empfiehlt sich, auf den Websiten der Psychotherapeut*innenkammern des jeweiligen Bundeslandes nach niedergelassenen Psychotherapeut*innen zu suchen. Auch auf der Seite der Deutschen Psychotherapeut*innenVereinigung kann gesucht werden, indem die eigene Postleitzahl oder der Wohnort eingegeben wird. Es werden dann die Psychotherapeut*innen in der Umgebung angezeigt mit Verweis auf die genaue Entfernung, sowie die Qualifikationen.

 

Meist sind jedoch die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz sehr lang. Hier gibt es die Möglichkeit auch eine Privatpraxis aufzusuchen, wenn die Wartezeit für einen Behandlungsplatz sehr lang ist oder kein Platz gefunden wurde. Weitere Informationen zur sogenannten "Kostenerstattung" findest du hier.